MO14 entwickelt den Fahrzeuglebenslauf CAR-CV

20. Dezember 2016
Matthias

Experten sind sich einig, dass zukünftig nicht mehr mit dem Verkauf von Fahrzeugen Geld verdient wird, sondern nur noch mit Daten, die das Auto liefert. Diese Entwicklung hat in verschiedenerlei Hinsicht auch Auswirkungen auf Kfz-nahe Akteure wie Versicherer. Beispielhaft können hier die zu erwartenden Veränderungen auf etablierte Schadenmanagementprozesse durch Unfallinformationen in Echtzeit genannt werden.

Aus der fortschreitenden Vernetzung ergeben sich aber auch eine Reihe von Chancen, wenn es gelingt, an den Connected-Car-Daten zu partizipieren. Diese Chancen liegen einerseits in einer eher evolutionären Weiterentwicklung bestehender Produkte. So könnte zukünftig die Reparaturkostenversicherung Daten über den Zustand des zu versichernden Fahrzeuges zum Zwecke der Prämienkalkulation berücksichtigen. Andererseits entstehen Möglichkeiten, unter Nutzung von Connected-Car-Daten neue Produkte und Dienstleistungen in bestehenden Geschäftsfeldern anzubieten oder gar neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Grundlage für die Nutzung und Verarbeitung solcher Daten könnte beispielsweise ein fahrzeugindividueller Lebenslauf sein, in dem alle relevanten Ereignisse fälschungssicher dokumentiert werden. Dies hätte vor allem für Eigentümer und Käufer von Fahrzeugen folgende Vorteile:

1. Tachomanipulation verhindern
Durch eine laufende Dokumentation der Tachostände bei bestimmten Ereignissen, wie bspw. einem Werkstattaufenthalt oder der Hauptuntersuchung, kann Tachomanipulation verhindert oder zumindest erheblich erschwert werden. Heutzutage wird jeder dritte Gebrauchtwagenkäufer durch einen manipulierten Tacho betrogen. Der Schaden durch den zuviel bezahlten Kaufpreis beläuft sich damit auf durchschnittliche 4.000 EUR pro Kauf. Die Spanne erstreckt sich von 2.800 EUR bei Kleinwagen und geht bis auf 20.000 € bei Oberklassefahrzeugen. Insgesamt gibt es 2 Mio. Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 6 Mrd. EUR p.a. in Deutschland.

Ist der Tachostand fälschungssicher dokumentiert, kann der Verkäufer diesen nachweisen und der Käufer kann dem im Fahrzeug angezeigten Tachostand vertrauen.

Auch Niedersachsens rot-grüne Landesregierung will gegen die Tacho-Trickser ankämpfen und plant dafür einen sogenannten Car-Pass. Seit Ende des Jahres 2016 gibt es eine Bundesratsinitative, mit der sich das Land Niedersachsen für die Einführung eines Systems zur Bekämpfung von Tachomanipulation einsetzt.

2. Transparente und faire Gebrauchtwagenpreise

Sind erst einmal alle Daten und Informationen zu Wartungsarbeiten, durchgeführten Reparaturen, Unfällen und zur Nutzungscharakteristik (bspw. Kurz- oder Langstreckenfahrzeug) transparent dokumentiert, lässt sich auf Basis dieser Informationen ein fairer Kauf- bzw. Verkaufspreis ermitteln.

Verkäufer können somit glaubhaft nachweisen, wie es um ihr Fahrzeug bestellt ist. Für Käufer reduziert sich die Unsicherheit, die beim Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs – insbesondere aus privater Hand – immer besteht.

3. Datenplattform für Mehrwertdienste

Der Lebenszyklus eines Fahrzeuges kann im wesentlichen in die Abschnitte „Kaufen“ – „Warten“ – „Reparieren“ – „Verkaufen“ aufgeteilt werden. Jeder dieser Abschnitte geht für den Fahrzeugeigentümer mit unterschiedlichen Aktivitäten, wie bspw. das Finden einer geeigneten Werkstatt, einher. Diese Aktivitäten und der damit verbundene Zeit- und Kostenaufwand könnte reduziert werden, wenn relevante und fahrzeugspezifische Daten auf einer Datenplattform zur Verfügung stünden. Somit könnten den Fahrzeugeigentümern individuelle Service- und Dienstleistungsangebote fahrzeug-, zeit- und situationsbezogen durch Dritte unterbreitet werden.

Die Vorteile liegen in einer maximalen Angebots- und Kostentransparenz bei gleichzeitiger Reduktion des Such- und Zeitaufwands.

Das R+V Innovation Lab MO14 hat zu diesem Thema ein Reihe spannender Ansätze und Konzepte unter dem Namen CarCV entwickelt. Nachfolgend finden sich auszugsweise einige Beispiele:

MockUp CarCV Prototyp V 0.1

 

Screenshot der Fahrzeugdatenplattform

 

Die Herausforderung für die weitere Umsetzung besteht unter anderem darin, Zugang zu den relevanten (Fahrzeug-) Daten zu erhalten. Außerdem müssen diese Daten selbstverständlich unter Wahrung aller datenschutzrechtlichen Bestimmungen und Voraussetzungen verarbeitet werden können. Weitere Dynamik wird das Thema durch die EUDirektive 2014/45 erlangen. Diese sieht in Absatz 25 vor:

„Eine Manipulation des Kilometerzählers sollte als zu sanktionierende Straftat angesehen werden, da diese Manipulation zu einer falschen Beurteilung der Verkehrssicherheit eines Fahrzeugs führen kann. Die Feststellung von unbefugten Eingriffen oder Manipulationen des Kilometerzählers sollte durch die Eintragung des Kilometerstands in die Prüfbescheinigung und den Zugang für Prüfer zu dieser Angabe erleichtert werden.“ 

No comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.