MO14 lässt hochautomatisierte Shuttle bei Pharmaserv in Marburg fahren

18. Dezember 2017
Verena Reuber

Nach dem vierwöchigen Test im Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens im Oktober und November, waren wir im Dezember zwei Wochen bei Pharmaserv, dem Standortbetreiber der Behringwerke in Marburg, unterwegs.

Ähnlich wie bei Fraport haben wir uns als Use-Case auch hier auf den Mitarbeitertransport fokussiert. Die Strecke war mit 1,2 Kilometern etwas kürzer als in Frankfurt, jedoch wies sie eine Steigung von durchschnittlich acht Prozent auf. Durch die unterschiedlichen Labore, Büroräume und der ausgegliederten Kantine sind die Mitarbeiter recht viel auf dem Standort unterwegs – somit perfekte Bedingungen für uns.

Fotografien von Jens Distelberg

Das hochautomatisierte Shuttle von MO14 auf dem Gelände von Pharamserv in Marburg.

Pharamserv selbst setzt bereits seit Jahren einen Shuttleservice ein. Dieser bringt die Kollegen mit einem Van von A nach B und folgt dabei sowohl einem Zeitplan als auch einer festen Route. Die Auslastung schwang jedoch stark, so dass hier ein Shuttleservice on demand wesentlich effizienter wäre.

Ähnlich wie bei Fraport klingt das nach Zukunftsmusik. Um sich dem Thema jedoch zu nähern und auf Basis erster Erfahrungen Bewertungen und weitere Planungen vornehmen zu können, wurde das hochautomatisierte Shuttle von MO14 dort eingesetzt.

Erkenntnis 1: Temperatur und Witterung

Einer unserer Schwerpunkte lag klar auf dem Thema Temperatur. Es ist allseits bekannt, dass Elektroautos stark an Reichweite einbüßen, wenn die Batterie kalten Temperaturen ausgesetzt ist. In Marburg war es während des gesamten Testbetriebs dauerhaft eisig, die Temperaturen lagen stets rund um den Gefrierpunkt, manchmal schneite und graupelte es etwas.

Unsere Batterie – 33kWh, Lithiumeisenphosphat – hielt sich tapfer und meisterte die anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Sie ermöglichte einen ganztägigen Betrieb, ohne zwischendurch an den Strom angeschlossen werden zu müssen.

Auch die Sensoren zeigten sich unbeeindruckt. Aus Sicherheitsgründen darf das Shuttle nicht bei Glätte oder starkem Schneefall fahren. Die Schneeflocken und der Graupel, denen es sich ausgesetzt sah, brachten aber die LiDAR-Sensoren nicht durcheinander, so dass sicher navigiert werden konnte.

Fotografien von Jens Distelberg

Die Teststrecke auf dem Gelände von Pharamserv in Marburg war recht steil.

Erkenntnis 2: Traktion

Während wir bei der Temperatur und Witterung Probleme erwartet hatten, waren wir über die Intensität der Schwierigkeiten, die das Shuttle mit der Traktion hatte, überrascht.

Bereits bei der Inbetriebnahme wurde es offenkundig, dass an der Traktion nachgeschärft werden musste. Das konnte über die Software vom Hersteller abgebildet werden. Je länger wir jedoch am Tag unterwegs waren, umso mehr hatte das Shuttle mit der Steigung zu kämpfen – der Motor war offensichtlich zu niedrig dimensioniert und wurde warm. Auf dem Rückweg – wieder bergab – griff die Motorbremse und führte zu einer weiteren Erwärmung des Motors. Das Shuttle erkannte das Problem und schaltete sich eigenständig ab.

Auf das Thema Sicherheit fokussiert, sicherlich die optimale und einzig richtige Konsequenz, für den regelmäßigen Mitarbeitertransport aber natürlich schwierig. Dies führte dazu, dass wir nicht in der angestrebten Taktung fahren konnten.

Auf Grund der mangelnden Traktion musste manchmal pausiert werden.

Erkenntnis 3: Akzeptanz

Das gesamte Testfeld wurde von der Universität Marburg, Lehrstuhl Wirtschaftswissenschaften, Innovative Wertschöpfungskonzepte begleitet. Auf Basis eines umfassenden Fragebogens wurden die Passagiere des Shuttles zu ihrer Akzeptanz befragt.

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz der Gäste, vor allem die Emotionen Spaß und Entspannung erfahren eine sehr hohe Zustimmung. Das sind für uns interessante Indikationen. Besonders relevant ist die Frage nach der Selbstbestimmung. Während in den Medien stets der stressfreie Pendelweg zur Arbeit, den man mit schlafen oder Zeitung lesen nutzbar machen kann, als Zielbild skizziert wird, sorgten sich hier viele der Befragten um eine Beschneidung ihrer Selbstbestimmung. „Inwiefern kann ich zukünftig noch mitbestimmen oder werde ich von solch einem autonomen Fahrzeug bevormundet?“

Fotografien von Jens Distelberg

Das hochautomatisierte Shuttle von MO14 auf dem Gelände von Pharamserv in Marburg.

Ein Highlight: Besuch der Blista

Ein besonderer Nachmittag des Testfelds war der Besuch einiger Schüler der Blindenstudienanstalt. Diese Sehbehinderten und Blinden nehmen die ganze Diskussion um autonomes Fahren buchstäblich anders wahr und knüpfen vollkommen andere Hoffnungen an die technische Entwicklung. Stefan hat dazu einen ausführlichen Bericht geschrieben. [Link Blista Artikel]

Hier ein Video der Oberhessischen Presse: 

Hier findet ihr weitere Informationen zum Testfeld bei Pharamserv.

4 Comments. Leave new

[…] Hier findet ihr weitere Infos zu unseren Testfeldern bei Fraport und bei den Behringwerken in Marburg. […]

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[…] unserem Testfeld in Marburg hatten wir erstmalig die Chance, gemeinsam mit der Universität Marburg, ein wissenschaftliches […]

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[…] stempeln lassen und durften nun nach den Testfeldern auf den Betriebsgeländen von Fraport und Pharmaserv endlich auf der öffentlichen Straße in Wiesbaden […]

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[…] der Anbindung von R+V Hauptsitz und Besucherparkplatz erschließt MO14 nach Fraport und Marburg das dritte Testfeld zum autonomen Fahren innerhalb eines Jahres. Das vierte und bislang größte […]

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