MO14 und Fraport testen hochautomatisierte Shuttle am Flughafen

21. November 2017
Verena Reuber

Vier aufregende Wochen sind jetzt vorbei: Auf dem Frankfurter Flughafen haben wir vom R+V Innovation Lab MO14 zum ersten Mal unsere hochautomatisierten Shuttle im Straßenverkehr getestet.

Das hochautomatisierte Shuttle von MO14 auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens. (Rechte: Fraport / Rebscher)

Mitarbeitertransport im Mischverkehr

Dafür haben wir mit Fraport eine anspruchsvolle Route ausgesucht: Innerhalb des Sicherheitsbereichs waren wir auf einer 1,5 Kilometer langen Strecke unterwegs und konnten Terminal 1 über die Mitarbeiterzentrale von Fraport an Terminal 2 anbinden. Diese Route ist stark frequentiert, da viele Fraport-Mitarbeiter mehrfach täglich zwischen den unterschiedlichen Betriebsstätten pendeln. Das Shuttle wurde sehr gut angenommen und brachte den gewünschten Zeitgewinn. Für Fraport war das Testfeld somit ein gelungener Use-Case.

Die größte Herausforderung für das Shuttle war der sehr intensive und komplexe Mischverkehr. Jeden Tag passierten etwa 1.600 Fahrzeuge Tor 3 – diese Schleuse zum Sicherheitsbereich querten wir mit dem Shuttle etwa 60 bis 70 Mal pro Tag. Auf der belebten Strecke waren nicht nur die klassischen Verkehrsteilnehmer wie PKW, LKW und Radfahrer unterwegs, sondern auch Flugzeugschlepper, Rettungsdienste sowie Fracht- und Gepäcktransporter.

Das hochautomatisierte Shuttle von MO14 unterwegs im Mischverkehr des Frankfurter Flughafens

Weitere von uns getestete Komplexitätstreiber waren:

  • zwei Zebrastreifen
  • zwei Kreuzungen mit Vorfahrtsregelung
  • Einreihung in eine Stau-ähnliche Situation vor Tor 75 (Zufahrt Vorfeld)
  • Ein- und Ausstiegsbetrieb an den Haltestellen
  • parkende Autos an der Straße
  • rangierende LKW (Posthof lag an der Strecke)

Testbetrieb ist Lernfeld für Fraport und MO14

Wie Stefan schon berichtet hat, treiben uns diverse Fragen bezüglich des autonomen Fahrens um [LINK: https://www.ruv-lab.de/2017/mo14-bringt-selbstfahrende-shuttle-in-den-verkehr/]. Aber auch Fraport kümmert sich bereits länger um den Themenkomplex, gibt es doch auf einem Flughafen unzählige Einsatzszenarien, wie beispielsweise den Winterdienst.

Mit Hilfe des Mitarbeitertransports nähert sich Fraport einem allgegenwärtigen Problem: dem Fahrermangel. Der Beruf des Bus- oder Kraftfahrers verliert zunehmend an Attraktivität; das autonome Fahren in seiner Endausbaustufe verheißt, Abhilfe zu schaffen. Bis das soweit ist, wird es aber noch etwas dauern. Momentan schreibt die Rechtslage verbindlich vor, dass immer ein Mensch im Fahrzeug sein muss, der – im Notfall – die Technik übersteuern kann.

Die hochautomatisierten Shuttle von MO14 auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens. (Rechte: Fraport / Rebscher)

Bei unserem Einsatz auf dem Flughafen haben wir – und vor allem die eingesetzten Fraport-Fahrer – erlebt, wie wichtig und wie anspruchsvoll der Job des Begleitfahrers, des Operators, wirklich ist. Die gesamte Situation muss dauerhaft im Blick behalten und alle potentiellen Risiken immer wieder eingeschätzt werden. Das Problem dabei ist die Passivität.

Während wir dieselben Aufgaben auch beim Autofahren ganz natürlich wahrnehmen, ist wesentlich mehr Konzentration im autonomen Fahrzeug gefordert. Denn in der Regel greift man nicht ein. Man sitzt hoch konzentriert im Fahrzeug, jederzeit bereit, einzugreifen, aber die Anzahl der Eingriffe ist äußert begrenzt. Da ist wirklich eine Mammutaufgabe.

Operator hilfreiche Schnittstelle zwischen Menschen und Technik

Das vierwöchige Testfeld mit einem werktäglichen Betrieb hat uns einige Erkenntnisse geliefert. So wurde beispielsweise offenkundig, dass der Operator aktuell noch eine sehr wichtige Instanz ist. Dabei geht es natürlich zum einen um eine personifizierte Rückfallebene, die greift, wenn ein Problem vorliegt.

Hier zeigt das Display das Ein- und Aussteigen von Passagieren an, so dass die weiteren Verkehrsteilnehmer informiert sind.

Mindestens ebenso wichtig ist aber auch die Funktion als Schnittstelle und Ansprechpartner zwischen anderen Verkehrsteilnehmern und dem Shuttle. In den Kreuzungsbereichen kam es immer wieder vor, dass andere Fahrzeuge sehr langsam fuhren oder sogar anhielten, da sie unsicher waren, wie sich das hochautomatisierte Shuttle verhält. Da das Shuttle Vorfahrt gewähren musste, wartete es auf Reaktion des anderen Verkehrsteilnehmers. Das konnte also schon einmal etwas dauern. Da war Blickkontakt oder eine ermunternde Handbewegung des Operators eine große Hilfe.

Eine ähnliche Situation war regelmäßig an Zebrastreifen zu beobachten. Manche Passanten waren sehr vorsichtig und trauten sich nicht so recht auf die Straße. Aufmerksame und kommunikative Begleiter sind daher sehr hilfreich und wichtig an Bord. Vor allem gut ausgebildete und erfahrene Bus- und Kraftfahrer, die wissen, wo sie hinschauen müssen, sind die kommenden Jahre unersetzlich.

Das Team des Testfelds von Fraport und MO14: v.l.n.r. Manuel Wehner, Stefan Häfner, Marcel Heinz und Verena Reuber. (Rechte: Fraport / Rebscher)

Nach dem Testfeld im Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens steht Anfang Dezember ein weiteres Testfeld auf dem Betriebsgelände der Behringwerke / Pharamserv in Marburg an.

Während bei Fraport das Zurechtfinden im Mischverkehr und das Verhalten mit anderen Fahrzeugen im Fokus stand, sind wir in Marburg gespannt, auf die Themen Temperatur und Traktion: Wie schlägt sich der Akku bei Temperaturen um den Gefrierpunkt? Wie reagiert das Fahrzeug auf eine Dauersteigung bzw. ein Dauergefälle?

Video zum Testfeld: 

Hier findet ihr weitere Infos zum Testfeld.

4 Comments. Leave new

[…] findet ihr weitere Infos zu unseren Testfeldern bei Fraport und bei den Behringwerken in […]

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[…] dem vierwöchigen Test im Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens im Oktober und November, waren wir im Dezember zwei Wochen bei Pharmaserv, dem Standortbetreiber […]

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[…] die Kennzeichen stempeln lassen und durften nun nach den Testfeldern auf den Betriebsgeländen von Fraport und Pharmaserv endlich auf der öffentlichen Straße in Wiesbaden […]

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[…] der Anbindung von R+V Hauptsitz und Besucherparkplatz erschließt MO14 nach Fraport und Marburg das dritte Testfeld zum autonomen Fahren innerhalb eines Jahres. Das vierte und […]

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